Ich nannte ihn Spatzi!  

Im Jahr 2007 fuhr ich wie immer meine Runde mit dem Rad,  zum Abschluss fahre ich immer durch den Park, gleich bei mir gegenüber.
Es war kühl für Juni und es hatte in der Nacht geregnet und gestürmt.
Ich sah etwas an einem Baum liegen, es leuchtete etwas rosa, wie Haut, ich bin gleich von Rad. Ein kleiner Vogel, er lebte und war total kalt.
Ich drückte ihn an meine Brust, mit einem Zipfel meiner Jacke.
Zu Haus. Aber wie nun weiter? Ich holte erst mal mein Körnerkissen, eine kleine Schüssel und Küchentücher. Das Kissen angewärmt, in die Schüssel, Tücher drauf, Vogel rein und mit einem Tuch abgedeckt.
Nun war ich in der Pflicht, ich musste mich kundig machen, ich brauchte  Rat. Erst mal, was ist das für ein Vogel, was darf er fressen usw.
Ich fand das Wildvogelforum, mit tausenden Ratschlägen.
Nach 2 Tagen wusste ich, ich hatte eine kleine Amsel.
Nun änderte sich mein Tagesablauf schlagartig. Jede Stunde füttern, mit  Einbruch der Dunkelheit schlief er dann aber auch.
An nächsten Tag fand ich auf dem Balkon der Nachbarwohnung ein leeres Nest.
Ach, was hat sich mein Spatzi gefreut, er kuschelte sich ein und war zufrieden.
Es war schon mühsam, seinen Speiseplan zusammenzustellen, aber irgendwie hatte ich immer was da.
Hunger, immer Hunger, immer war der Schnabel auf, wenn ich zu ihm kam.
So ein Vogelleben geht sehr schnell, nach 2 Wochen wusste ich schon, das es eine Amseldame ist.
Sie musste nun umziehen, der Karton mit Nest war zu klein, sie hüpfte  schon mal raus.
Ich bastelte ihr ein neues Zuhause, mit viel Natur, ich dachte, je eher, je besser.
Es waren wunderschöne Wochen, ich war nicht ein bisschen genervt. Ich  ging Regewürmer sammeln, beobachtete das erste Baden, den ersten Flug,  herrlich.
Ich liebte diesen Vogel!
Ein letztes Mal zog SIE um, ein Balkon sollte es sein, wegen der Vogelstimmen, um einfach auch die Natur zu hören.
Zum Balkon gehörte natürlich auch ein Zimmer, mit einem riesigen Kachelofen. Nun musste ich täglich ein paar Mal auf der Leiter hoch, die Dame auf dem Ofen füttern.
Eines Tages gab sie ein Geräusch von sich, welches mir sagte, es ist soweit.
Ich entfernte das Netz vom Balkon und verbrachte Stunden, ja Tage dort.
Sie fraß allein, konnte fliegen, sicher landen, war auch alt genug, mein Herz war schwer.........
2 Tage blieb sie noch, so ohne Netz, nahm ein Sonnenbad, genoss die  frische Luft, es schien, als wolle sie nicht fort.
Dann, als ich morgens, wie immer zu ihr ging... ich hörte sie nicht... Sonst begrüßte sie mich immer schon, da war ich noch nicht im Raum.
Aber es war still............ sie war fort.
Ich wollte und ich wusste es, das dieser Tag kommt, aber das ich so  traurig war, konnte ich selbst nicht fassen.
Ich glaube ich habe so lange geweint, wie sie bei mir war, 7 Wochen!

Ich werde diese Zeit nie vergessen und ich würde es immer wieder tun!